Fast jeder Hundbesitzer erlebt es irgendwann im Laufe eines Hundelebens: Es ist zwei Uhr nachts. Dein Hund steht an der Tür und muss dringend raus. Draußen landet eine braune Pfütze im Gras. Dein Hund hat Durchfall, was ist zu tun? Die gute Nachricht: Plötzlicher Durchfall bei einem erwachsenen, sonst gesunden Hund klingt oft nach ein bis zwei Tagen wieder ab.
Die schlechte Nachricht: Ein Teil der Fälle gehört sofort in die Tierarztpraxis.
In diesem Artikel geht es um die drei wichtigsten Fragen im ersten Moment:
- Kannst du abwarten oder musst du zum Tierarzt?
- Was hilft deinem Hund in den ersten 24 Stunden?
- Welche gut gemeinten Reflexe schaden eher?
Abwarten oder Tierarzt?
Das ist die erste Entscheidung, und sie ist wichtiger als jedes Hausmittel.
Abwarten und beobachten kannst du ein bis zwei Tage, wenn dein Hund erwachsen und sonst gesund ist und
- fit ist und sich normal verhält
- frisst und trinkt wie immer
- nicht erbricht
- kein Fieber hat
- keine Bauchschmerzen zeigt
Geh sofort zum Tierarzt, wenn
der Durchfall
- blutig oder schwarz ist
- wässrig ist und sehr häufig kommt
- länger als zwei Tage anhält oder sich innerhalb von 24 bis 48 Stunden nicht bessert
dein Hund
- ein Welpe oder Senior ist
- Vorerkrankungen hat
- Gift oder einen Fremdkörper erwischt haben könnte
- nicht normal frisst oder trinkt
- schlapp oder teilnahmslos wirkt
- erbricht oder Fieber hat
- Bauchschmerzen hat: gekrümmter Rücken, Gebetsstellung (vorne tief, hinten hoch), Abwehr/Angst bei Berührung am Bauch
- Anzeichen von Austrocknung zeigt
Bist du unsicher, ruf in der Praxis an. Ein kurzer Anruf ist besser als ein Notfall, der zu spät erkannt wird.
Damit du beim Termin nichts vergisst, hilft dir meine kostenlose Checkliste für den Tierarztbesuch.
Die ersten 24 Stunden: Das kannst du tun
Klingt banal, aber diese vier Punkte bringen mehr als jedes Pulver aus der Hausapotheke:
1. Wasser. Durchfall kostet viel Flüssigkeit, daher stell immer frisches Wasser hin. Trinkt dein Hund wenig, hilft ein Schuss Wasser im Futter oder etwas selbst gekochte, ungewürzte/entfettete Brühe. Trinkt er gar nicht oder erbricht er das Wasser wieder, geht bitte zum Tierarzt.
2. Ruhe. Kurze, ruhige Runden statt Hundewiese. Training, Unternehmungen und wildes Toben haben ein paar Tage Pause.
3. Kleine, leichte Mahlzeiten statt Fastentag. Der alte Tipp „24 Stunden nichts füttern“ gilt bei unkompliziertem Durchfall als überholt. Warum das so ist und wann eine kurze Futterpause sinnvoll sein kann, liest du in meinem Artikel über Hausmittel bei Durchfall. Leckerli und Kauartikel sind bei akutem Durchfall tabu.
4. Beobachten und aufschreiben. Wann war der letzte Kotabsatz? Wie sah er aus? Was hat dein Hund gefressen? Nach einer schlaflosen Nacht verschwimmt das schnell. Für deinen Tierarzt sind aber genau diese Infos wichtig. Was du dir notieren solltest, zeigt dir meine kostenlose Checkliste für den Tierarztbesuch.
Schonkost: das Prinzip
Schonkost soll den gereizten Magen-Darm-Trakt ein paar Tage lang so wenig wie möglich fordern. Das heißt: leicht verdaulich, mager, sehr weich gekocht, wenige gut verträgliche Zutaten und kleine Portionen.
Huhn mit Reis ist dabei nur eine von vielen Varianten. Verträgt dein Hund kein Huhn, braucht er eine andere magere Proteinquelle. Kaninchen oder Putenbrust und matschig gekochte Kartoffeln können auch gut gegeben werden. Aber bitte nicht im Wechsel, entscheide dich für die Variante, die dein Hund am besten verträgt. Abwechslung ist in dem Fall kontraproduktiv.
Bei der Menge gilt: lieber etwas weniger als sonst, über den Tag verteilt auf mehrere kleine Portionen. Ein Bauch, der sich erholt, braucht keine üppigen Mahlzeiten. Und lass bitte alles weg, was dem Darm Arbeit macht: Fett, Haut, Kauartikel und rohes Gemüse.
5 gutgemeinte Reflexe, die eher schaden
1. Durchfall-Stopper aus der Hausapotheke. Mittel, die den Darm bremsen, beheben die Ursache nicht. Mögliche Giftstoffe bleiben sogar länger im Körper. Solche Medikamente gibt es nur nach Rücksprache mit dem Tierarzt.
2. Mehrere Hausmittel gleichzeitig. Flohsamenschalen, Heilerde und Kohletabletten auf einmal: Danach weiß niemand mehr, was davon geholfen hat – oder auch nicht. Eine Übersicht über gängige Hausmittel und ihre Stärekn & Schwächen findest du im Hausmittel-Artikel.
3. Kohletabletten auf Verdacht. Aktivkohle ist für bestimmte Vergiftungen gedacht. Bei normalem Durchfall bringt sie nichts. Dazu färbt sie den Kot schwarz, und ob Blut im Kot ist, lässt sich dann kaum noch erkennen.
4. Neues Futter ausprobieren. Der Akutfall ist der falsche Moment für die neue Sorte aus der Werbung. Bleib bei Zutaten, die dein Hund kennt und bei denen du sicher bist, dass er sie normalerweise verträgt.
5. Zu früh zurück zum normalen Futter. Ein einziger fester Haufen heißt noch nicht, dass der Darm wieder fit ist. Wer am nächsten Tag die volle Portion vom gewohnten Futter füttert, riskiert den nächsten Durchfall. Die Erholung und auch Umstellung zurück braucht ein paar Tage und sollte nicht überstürzt gemacht werden.
Gut vorbereitet für den nächsten Durchfall
Durchfall kommt selten zur Sprechstunde, sondern meistens am Wochenende oder nachts.
Für genau diese Momente habe ich mein Notfall-Kit bei Durchfall gebaut. Der Schonkost-Rechner berechnet dir die Mengen passend zu den Beschwerden und dem Gewicht deines Hundes. Das Durchfall-Tagebuch läuft als App auf deinem Handy. Und der Ratgeber erklärt dir Rezepte, Zubereitung und den Weg zurück zum gewohnten Futter.
Wichtig: Meine Artikel sind nach bestem Wissen und Gewissen recherchiert, ersetzen aber keine tierärztliche Untersuchung und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Bei den oben genannten Warnzeichen sollte dein Hund in die Tierarztpraxis.
Quellen
- WSAVA / ENOVAT (2025): Five steps of canine acute diarrhea treatment
- Candellone, A. et al. (2020): Acute diarrhea in dogs: Current management and potential role of dietary polyphenols supplementation. Antioxidants, 9(8), 725.
- Jessen, L. R. et al. (2024): ENOVAT guidelines for antimicrobial use in canine acute diarrhoea. The Veterinary Journal, 307, 106208.
- Cornell University College of Veterinary Medicine: Diarrhea
- Merck Veterinary Manual: Principles of toxicosis treatment in animals
